Monatsrückblick April 2022: Das erste graue Haar lässt grüßen

Monatsrückblick April 2022: Das erste graue Haar lässt grüßen

Dieser Monat ging drunter und drüber und ist an mir vorbeigesaust wie ein Osterhase auf Koffein. Nein, von diesem Monat habe ich nicht mein erstes graues Haar bekommen. Um ganz ehrlich zu sein, ist es auch nicht mein erstes graues Haar. Es ist nur das erste, dass sich unter meiner fast schwarzen Mähne an die Oberfläche wagt, um der Welt zu zeigen, dass ich auf die 30 zu gehe. Die anderen halten sich noch bedeckt. Aber einer muss ja immer aus der Reihe tanzen.

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Nun ja. Verrückt war dieser Monat dennoch, weshalb dieser Monatsrückblick auch auf den letzten Drücker kommt – und der bislang persönlichste geworden ist.

Trotzdem: Ich wollte diesen Rückblick nicht ausfallen lassen. Denn momentan liegt mir sehr viel auf dem Herzen, was ich mir von dort herunterschreiben will. Bereit in mein verworrenes Hirn zu schauen, das graue Haare wachsen lässt*? Na, dann los!

Mein Debüt im Buchhandel

Fangen wir mit den erfreulichsten Nachrichten an: Ich habe angefangen, Tamara herumzureichen. Mit einem Exemplar bin ich in eine Buchhandlung in der Nähe gestapft, nachdem ich vorher per Mail angefragt habe, ob ein Leseexemplar gewünscht wäre. Und nun hat mir die liebe Frau der Buchhandlung zurückgeschrieben. Sie war so begeistert von Tamaras Geschichte, dass sie gleich drei Stück (drei Stück auf einmal!!!) bestellt hat und sogar eine Kurzrezension geschrieben hat, die sie in ihrem Newsletter bewirbt. Ich bin so begeistert, dass nach Monaten der Verkaufsdürre eine kleine Welle kommt. Sie kommt angeschwappt, hat noch nicht so viel Power. Aber sie benetzt den ausgedorrten Boden mit etwas Feuchtigkeit. Nun kann an dieser Stelle wieder Autorenglück wachsen.

Und hier ist die freundliche E-Mail mit der Rezension (ich habe die Erlaubnis es veröffentlichen zu dürfen):

Liebe Fr. Freigang,

mit Genuss habe ich ihr Buch „Tamara“ gelesen. Eine Kurz-Rezension wird in unserem aktuellen Newsletter zur Konfirmation erscheinen:

 

Tamara – Zwischen Knast und Pferdestall

Die straffällig gewordene Tamara, aufgewachsen in einer Plattenbausiedlung in Erfurt, hat die Wahl: Jugendknast oder soziale Erziehungsmaßnahme auf dem Pferdehof ihres Onkels, den sie kaum kennt. Widerwillig macht sie sich in Begleitung einer Sozialarbeiterin auf den Weg in ein norddeutsches „Kaff“ mit dem Entschluss, es der Familie ihres Onkels so richtig schwer zu machen…

Von Anfang an taucht der Leser in die Gedankenwelt der 16jährigen Tamara ein. Die Sprache ist echt und an manchen Stellen auch mal deftig, aber sehr passend. Die Handlungen der gläubigen Familie des Onkels sind ehrlich und nicht abgehoben heilig, Konflikte und Unsicherheit werden nicht ausgespart.
Der beste Jugendroman, den ich seit langem gelesen habe! Für Jugendliche ab ca. 14J, aber auch Erwachsene spannend und eindrücklich zu lesen. (Claudia)

Kurzer Werbeeinschub: Bist du auch noch auf der Suche nach einem spannenden und lehrreichen Jugendbuch – für Teens ab 14, aber auch alle junggebliebenen Erwachsenen?

Wir feiern Bücher

Jedes Jahr findet am 23. April der UNESCO Welttag des Buches statt. Zur Feier des Tages habe ich eine spontane Live-Lesung auf Instagram gehalten. Es war eine kleine Runde, aber dafür waren auch Leute dabei, die ich noch nicht kannte. Und das ist schon einmal sehr viel Wert für mich als Autorin, selbst wenn ich die Anzahl der Zuschauer an einer Hand und zwei Fingern abzählen konnte.

Hier kannst du sie dir anschauen.

Frau pustet in ein Buch und Konfetti fliegt herum. Darüber der Text: Wir feiern Bücher, Welttag des Buches

Was viel zu kurz kam – das Schreiben mit Herz (der persönliche Teil des Rückblicks)

In letzter Zeit habe ich mir sehr viele Gedanken über Erfolg gemacht. Erfolg ist für mich ein stetes Vorwärtskommen. Die Gedanken nicht an die Vergangenheit hängen, sondern den Blick nach vorne gerichtet zu halten. Nicht derselbe Mensch zu sein, der man gestern noch war. Nicht stehen zu bleiben in der Bewegung, denn sobald du aufhörst zu rudern, treibst du zurück. Stillstand ist Rückstand. Diese Denkweisen und Phrasen hast du bestimmt schon in irgendeiner Form gehört und vielleicht denkst du genauso. Doch dieses ununterbrochene Getriebensein macht mich irgendwann müde. Ich schaue mich an und denke mir: Was für eine versagende Schriftstellerin bist du eigentlich? Du verkaufst kaum noch Exemplare. Du wirst dieses Jahr, so wie es aussieht, keinen Roman rausbringen. Dein Texterbusiness kommt auch nicht so wirklich in Schwung, weil du gar nichts dafür machst. Und seit über einer Woche hast du das aktuelle Manuskript nicht einmal angerührt.

Ich bin Meister darin, mich selbst schlecht zu machen; mir riesige Felsbrocken in den ohnehin schmalen Pfad zu schmeißen und bereits alles zu zerreden, bevor ich überhaupt den ersten Schritt gemacht habe. Anstatt mich mit mir selbst zu vergleichen, was für ein Mensch ich noch am Vortag war, schaue ich nach links und rechts und suche nach Vergleichspunkten bei anderen Menschen. Und genau deswegen fühle ich mich wie der größte Versager überhaupt. Und wer hätte das gedacht: Das ist nicht gut.

Tasse mit Kakao und Sahne gefüllt mit der Aufschrift: Please do not annoy the writer, she may put you in a book and kill you.

Stattdessen bin ich zu folgender Erkenntnis gekommen:

Erfolg bedeutet nicht immer, irgendeine sichtbare Leistung erbracht zu haben. Ich muss nicht 100 Exemplare eine Woche nach Veröffentlichung verkauft haben – oder im ersten Quartal oder im ersten Jahr. Für mich ist der Erfolg, dass eine Buchhandlung auf einen Schlag drei Stück meines Debüts bestellt hat und sie es sogar in ihrem Newsletter bewerben.

Erfolg ist, dass ich mit der Überarbeitung einer neuen Geschichte begonnen habe, die mir tatsächlich leicht von den Händen gegangen ist. Ob ich diese Geschichte dieses oder nächstes Jahr oder niemals veröffentlichen werde, spielt für diesen Erfolg überhaupt keine Rolle.

Manchmal ist Erfolg auch einfach nur, eine Entscheidung getroffen zu haben.

Damit habe ich in den Augen anderer Menschen nichts Sichtbares erreicht; sie können in dem Moment keine Veränderung an mir wahrnehmen. Aber für mich verändert sich alles! Auch das ist Erfolg.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Erfolg nur an sichtbaren Dingen gemessen wird, die man anfassen und begreifen kann; die man mit genauen Zahlen definieren kann. Erfolg ist kein Glück, heißt es in einem Rapsong. Erfolg ist harte Arbeit und dazu gehört, Opfer zu bringen. Erfolg ist das, was die Gesellschaft dir vorgibt und wo sie die Messlatte anlegt. Aber an diesen sich ständig verändernden Maßstäben und Richtlinien möchte ich keinen Anteil haben. Auch wenn es schwer fällt gegen den Strom zu schwimmen und ich dadurch eventuell noch weniger (sichtbaren) Erfolg haben werde.

Ich vermisse das Schreiben mit Herz, das Schreiben mit Leidenschaft, das Schreiben mit einer Vision, das Schreiben mit dem Glauben, dass mir dieses Talent nicht ohne Grund gegeben wurde. Ich will nicht mehr schreiben, weil ich denke, ich muss, sonst werde ich von den anderen abgehängt. Ich will wieder schreiben, weil ich es aus einer tiefen, inneren Überzeugung tue – Verkaufszahlen, Blogbesuchszahlen, Newsletter-Abos und Instagram-Follower hin oder her.

Die Ponydame geht in Rente

Der Erfolg, den ich mit der Ponydame diesen Monat erreicht habe, ist sie in Rente zu schicken. In reiterliche Rente. Nach ihrem letzten Totalausfall, bei dem ich ein dreibeiniges Pferd hatte, das unter undefinierbaren Schmerzen gelitten hat, habe ich eine Entscheidung getroffen: Dieses Pferd werde ich nicht mehr reiten. Es ist eine einschneidende Entscheidung, denn die Ponydame ist sonst fit und sehr bewegungsfreudig und für mich gehört Reiten einfach zum Pferdebesitz dazu. Aber ihr Stolpern hat sich gehäuft – sie ist mir sogar an der Hand hingefallen und hat wortwörtlich ins Gras gebissen. Nachdem sie ihre Muskelzerrung in der Schulter auskuriert hat, kam der Totalausfall.

Überraschender Weise hat mich ihre akute Lahmheit nicht schockiert. Es war mehr ein: Okay, sind wir wieder an dem Punkt. Dann bekommst du jetzt eine ordentliche Dosis Schmerzmittel und Ruhe. Und dann werde ich dich halt nicht mehr reiten. Stattdessen suchen wir uns andere Beschäftigungsmöglichkeiten. Innerlich hatte ich mich auf den Tag vorbereitet, diese schwere Entscheidung zu treffen. Und nun war der Tag gekommen. Während alle Umstehenden das arme, hinkende Pony gesehen haben, war ich vollkommen ruhig. Es ist für das Pony und mich ein Erfolg, diese Entscheidung getroffen zu haben und nun den gemeinsamen Weg fortan nebeneinander zu gehen.

Wie du siehst, hat Erfolg viele Gesichter. Und es ist nicht immer das Offensichtliche, was die Gesellschaft schon fast fanatisch als Erfolg darstellen will. Ich hoffe, ich kann diese neuen Erkenntnisse mit in den nächsten Monat nehmen und damit wieder Freude an meinem Schreiben, Bloggen und Marketing finden.

Wie sieht für dich Erfolg aus?

*Bevor du jetzt denkst: Whaaat?! Die denkt, sie kann sich selbst graue Haare wachsen lassen? Nein, natürlich nicht. Ich glaube, dass das allein Gott in der Hand hat und Er mir die vereinzelte Weisheit auf meinem Haupt beschert hat. Das wollte ich nur noch mal klar gestellt haben 😀

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Mirjam-Sophie Freigang